Resilienz – Was steckt eigentlich hinter dem Begriff?

23. November 2020

Der Begriff Resilienz ist schon fast ein Modewort geworden. Es gibt ein großes Angebot an Resilienz-Trainings und Fragebögen sollen Aufschluss darüber geben, wie resilient man ist. Aber was steckt denn nun eigentlich wirklich hinter dem Begriff Resilienz?

Der Begriff stammt eigentlich aus der Materialtechnik. Als resistent werden Stoffe bezeichnet, die auch nach extremer Spannung wieder zurück in Ihre Ursprungsform gehen. Zum Beispiel Gummi.

Dieses Prinzip wurde nun auf den Menschen übertragen. Hier ist die psychische Widerstandsfähigkeit gemeint.

Menschen mit einer hohen Resilienz sind widerstandsfähiger und unempfindlicher gegenüber psychischen Belastungssituationen. Sie erholen sich schneller und besser nach schicksalhaften oder traumatischen Ereignissen. Sie besitzen außerdem die Fähigkeit mit Veränderungen umgehen zu können. Sie reagieren flexibler in sich ändernden und schwierigen Situationen. Krisen werden sogar als Anlass für Entwicklung gesehen.

Bei Menschen mit hoher Resilienz funktioniert das also ähnlich wie bei resilienten Materialien. Dank ihrer großen inneren Widerstandskraft richten sie sich nach schicksalhaften Ereignissen wieder auf und gestalten ihr Leben weiter.

Kann man das lernen? Kann man die eigene Resilienz stärken?

Eine Langzeitstudie aus den 1950er Jahren lieferte einige wichtige Erkenntnisse über resiliente Menschen. So gilt heute als gesichert, dass resiliente Menschen ihr Leben als sinnvoll erachten und erlebt haben, dass sich etwas verändert, wenn man handelt. Außerdem haben sie einen guten Zugang zu ihren Gefühlen und verfügen über ein gewisses Maß an Zuversicht und Optimismus. Ganz nach dem Motto: Jetzt ist es schwer, aber es wird besser. Diese Menschen verfügen des Weiteren über ein realistisches Selbstbild und über stabile soziale Kontakte. Weitere Forschungen laufen derzeit noch zur Resilienz – es gibt Indizien, dass zum einen auch die Gene einen Einfluss auf die Resilienz haben. Eine weitere Rolle könnte das Wachstum der Nervenzellen im Gehirn spielen.

Wie können wir selbst Einfluss nehmen auf unsere eigene Resilienzfähigkeit?

Einfluss nehmen können wir indem wir unseren Umgang mit Stress überprüfen und uns gegebenenfalls genau in diesem Bereich entwickeln.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten mit Stress umzugehen – Im Fachjargon sind das die sogenannten „Coping-Strategien“:

Es gibt die passive („passive coping“) und die aktive („active coping“) Strategie.

Die passive Strategie äußert sich in Vermeidungsverhalten oder Hilflosigkeit. Eine stressauslösende Situation wird also zunehmend vermieden. Zum Beispiel:  Michael ist schon lange sehr unglücklich mit seinem Job, nichts daran macht ihm Spaß. Die Kollegen sind doof, und der Chef sowieso. Jetzt könnte man denken er sucht sich vielleicht einen anderen Job, aber nein – Michael befindet sich schon seit 5 Jahren in dieser Situation. Seine Strategie damit umzugehen ist ein Konstrukt aus „krank“ machen, Jammern und Resignation.

Die aktive Strategie mit Stress umzugehen, bedeutet dass man aktiv einen Einfluss auf die Situation nimmt und versucht etwas zu verändern. Der Grundstein ist erst einmal das anzunehmen was ist. Zu schauen wo steht man. Im nächsten Schritt kann man sich fragen, wo man hin will oder was die Situation positiv verändern würde. Hier sollte man sich nun aktiv fragen, was man selbst konkret tun kann um dort hinzukommen. Eine offene und flexible Grundhaltung hilft. So kann man beispielsweise die Situation neu bewerten – also nicht nur die Gefahren und das Negative an einer Situation sehen, sondern auch die Chancen darin erkennen.  Im Beispiel von Michael würde das so aussehen: Michael merkt wie er immer unzufriedener mit der Situation auf Arbeit wird. Er fängt nun an seine Situation zu analysieren und überlegt, was er daran ändern kann. Kann er seine Einstellung dazu ändern? Vielleicht bemerkt er, dass der kurze Arbeitsweg und die Sinnhaftigkeit seiner Tätigkeit so viel wert ist für ihn, dass dies die negativen Faktoren ausgleicht und er das ab sofort gelassener sehen kann. Oder aber er merkt, dass er dauerhaft dort nicht glücklich wird. Also ist der nächste Schritt zu überlegen, sich einen anderen Job zu suchen. Michael wird aber aktiv, er nimmt Einfluss auf die Situation.

Diesen Umgang mit Stresssituationen können wir erlernen. Aber es gilt – auch nur wenn wir wirklich wollen und bereit sind an uns zu arbeiten.

Es gibt noch weitere Faktoren, die einen Einfluss auf unsere Resilienz haben.

  • Positive Emotionen – Das regelmäßige Empfinden positiver Emotionen
  • Optimismus – optimistische Menschen neigen eher dazu Probleme mit aktiver Problemlösestrategie anzugehen
  • Akzeptanz – Situationen annehmen wie sie sind
  • Das Selbstwertgefühl – ob man sich selbst eher positiv oder negativ bewertet
  • Selbstwirksamkeitserwartung – die Erwartung, dass man Probleme aus eigener Kraft lösen kann, kurz: der Glaube an sich selbst
  • Soziales Umfeld – ein stabiles und unterstützendes Soziales Umfeld

Du hast also die Möglichkeit, wenn du deine eigene Resilienz stärken willst, zu schauen in welchen Bereichen du noch Entwicklungspotential hast. Grundsätzlich gilt: der Schlüssel zur Veränderung liegt in dir. Beginnst du aktiv zu werden, beginnst du bei deiner eigenen inneren  Entwicklung, so ändern sich die Dinge im Außen ganz automatisch.

Anmerkung: Alles in allem ist es aber ein langwieriger Prozess, die eigene Resilienz zu stärken. Es bedeutet Arbeit an sich selbst und sich auseinandersetzen mit eigenen inneren Vorgängen und Mustern. Dies kann man kaum alleine bewältigen. Ein Coaching kann hier unterstützen und diesen Prozess begleiten.Res

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